„Isa“: Einblicke ins Verrücktsein

12. Juli 2016

isa_13.jpgHinweis: Weitere Bilder im Fotoalbum

Verrücktsein heißt nicht, dass eine/r bescheuert ist! Das machte der Literatur- und Theaterkurs der KSI der voll besetzten Aula am 5.7. mit einer szenischen Collage eindrücklich klar.

Grundlage der Inszenierung war die Beschäftigung mit dem Romanfragment "Bilder deiner großen Liebe" von Wolfgang Herrndorf, dem Autor des Jugendbuch "Tschick".  Wer die Textvorlage kennt, ahnt, wie anspruchsvoll es gewesen sein muss, einen derart wirr fragmentierten Prosatext in eine für das Publikum nachvollziehbare stimmungsvolle Szenenfolge umzuarbeiten. Geschickt bauten die Kursteilnehmer/innen das Geschehen in eine Rahmenhandlung ein: Isa, die jugendliche Protagonistin, befindet sich in einer Sitzung mit ihrer Psychiaterin. Die Sitzung fand oberhalb der eigentlichen Bühne statt: Coline Tahmasebi in der Rolle der Isa und Friederike Haas als Psychiaterin entwickelten ihr spannungsgeladenes Gespräch gut positioniert am Geländer des oberen Stockwerks: „Gab es weitere wichtige männliche Begegnungen in deinem Leben?“ Verständlicherweise zeigt sich Isa der neugierigen Frau Freud nicht wirklich positiv zugetan… Nichtsdestotrotz öffnet sie sich und gibt im Gespräch entscheidende Momente ihres Lebens preis, welche dann sogleich auf der Bühne umgesetzt wurden. In immer wechselnden Bühnenbesetzungen loteten die Schauspieler das ver-rückte Innenleben Isas aus und brachten ein im Rahmen des Literatur- und Theaterkurses erworbenes Repertoire an theaterästhetischen Mittel eindrucksvoll zum Einsatz. So kamen die Spieler/innen mit einem Maximum an Ausdruck und einem Minimum an Requisiten aus. Lediglich ein paar Stühle, Gummifrösche (essbare!), zu Schweinsnasen umfunktionierte Fruchtzwerge und ein Haarband, das jeweils anzeigte, wer gerade Isa auf der Bühne darstellte, wurden benötigt. Statt bühnenbildnerischem Firlefanz setzte die Gruppe auf eine choreographisch stimmig ins Bild gesetzte Partner-Performance mit Stuhl, Zitatimprovisationen und Freeze-Momenten.

Eine glänzende Einführung in die Untiefen des Verrücktseins und vor allem eine wunderschöne Premiere nicht nur für „Isa“, sondern für den Literatur- und Theaterkurs. Wohlverdienter Beifall für Kurslehrerin Susanne Schuchardt, die sich auf dieses kühne Regieabenteuer noch relativ kurzfristig zu Schuljahresende einließ, und die überzeugenden Schauspieler/innen!

Auch der GEA zeigte sich beeindruckt: http://www.gea.de/region reutlingen/reutlingen/albert einstein gymnasium die vielen gesichter der isa.4888556.htm

Hinweis: Weitere Bilder im Fotoalbum



Schlagworte: Theater
Kategorie: Tagebuch