Bewegender Zeitzeugenbesuch von Herrn Pavel Hoffmann

16. März 2016

zeitzeugen_2.jpgBild oben: Herr Hoffmann als Baby auf dem Arm seiner in Ausschwitz ermordeten Großmutter.

Bild unten: Herr Hoffmann heute.

Pavel Hoffmann ist Jude und hat als einziger seiner Familie die Shoa überlebt.  Bereits seit 13 Jahren hält er Vorträge über seine ergreifenden Erlebnisse, unter anderem auch in Schulen. Wir empfanden es als etwas sehr Besonderes, seine Geschichte anhören zu dürfen. Wir sind vermutlich eine der letzten Schülergenerationen, die mit Zeitzeugen aus der NS-Vergangenheit sprechen können.

Als Pavel Hoffmann 1939 geboren wurde, war seine damalige Heimat, die Tschechoslowakei, erst wenige Tage vorher von der deutschen Wehrmacht besetzt worden.

Seine Vorfahren waren angesehene Leute, sein Großvater war unter anderem Stadtrat und seine Eltern waren beides Ärzte, die in Prag arbeiteten.

zeitzeugen_1.jpgAls erstes Familienmitglied  wurde sein Vater zusammen mit 1200 anderen jüdischen Mitbürgern verhaftet und erschossen. Daraufhin folgten seine Großeltern väterlicherseits sowie eine Tante und eine Cousine, die in Auschwitz ermordet wurden. Er wurde zusammen mit seiner Mutter erst 1943 in das Ghetto nach Theresienstadt deportiert, wo er ziemlich schnell von seiner Mutter getrennt wurde, da diese nach zwei Wochen vermutlich am Hungertod verstarb. Wie durch ein Wunder wurde er als Waise nie in einen Transport nach Ausschwitz geschickt, sondern er wurde am 5. Februar 1945 durch eine Vereinbarung zwischen Heinrich Himmler und dem Schweizer Bundespräsidenten Jean-Marie Musy zusammen mit 1200 anderen Juden gegen eine Zahlung von 4 Millionen Reichsmark in die Schweiz gebracht. Dadurch war er gerettet. Ein tschechisches Ehepaar nahm ihn auf und er kam im Juni 1945 als einziger Überlebender seiner Familie zurück nach Prag. 1968 wanderte er nach Deutschland aus und lebt heute mit seiner Familie in Reutlingen.

Das alles hat Herr Hoffmann erst in den letzten Jahren herausgefunden, da er sich nach seiner Rente sehr mit dem Thema Ahnenforschung beschäftigt hat. Und unsere Frage beantwortete er mit einem klaren „Nein“, man könne ihn alles fragen, ihm sei sehr daran gelegen, dass sich die Geschichte so nie wiederhole und wir als junge Generation uns gegen Antisemitismus stellen, deshalb erzählt er von seinem Schicksal. Wir danken Herrn Hoffmann für seinen Besuch, der Spuren bei uns hinterlassen hat.

 

Von: Carolin Müller, Jennifer Haap und Frau Henes



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Kategorie: Tagebuch