Zebrasorgen, Wirbelflieger und ein klasse Chinese

09. Juli 2014

rmds_2014_30.JPGErste Halbzeit: Der Reimwettbewerb (Klasse 5-8)

Die Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen schickten unterschiedliche Tiere ins Wortgefecht. Guiseppe Cavaleris Frosch hatte die Nase deutlich vor der Fliege, und auch die Mücke von Vincent Bernhardt und Joshua van Virdum hatte keine guten Karten. Dagegen konnte das Zebra von Maja Eiber, Malte Liesdorf und Tim Lichtenberger seine Haut sogar vor dem staunenden Löwen retten und sich so getrost von den Sorgen über fehlende Karos oder Punkte verabschieden.

Bei den Sechstklässlern hielt das Publikum den Atem an, denn unter dem Thema Hochspannung jagte Dustin Tran den Zuhörern einen ordentlichen Schrecken ein. Der „Wirbelflieger" von Tobian van Pethegem, Timo Katrilaka und Lionel Chambon entpuppte sich nach heftigen Turbulenzen erst knapp vor dem Aufprall als Flugsimulator, und der Hund von Clara Fronmüller und Kim Dietrich wird es sich aufgrund der betrunkenen Beute gut überlegen, ob er noch einmal auf Hasenjagd geht. Besonders wortgewandt war Johannes Bolds Bericht „Aus dem Leben eines Schweins", das Dank einer technischen Panne knapp dem Metzger entkam und sein Leben nach einer wundersamen Wandlung nun friedlich als Kuh unter Kühen auf der Weide fristet.

Liebe war das Thema der siebten Klassen, und Tania Koupantseli und Antonia Brecht wagten sich sogar an eine gereimte Definition von „Wahrer Liebe". Auch Nadja Kromer schenkte einem Schwein unverhofft das Leben: Sie verschonte ihr „Kleines Sparschwein" vor dem Hammer und schenkte ihm zur Freunde der Zuhörer einen gerüsselten Gefährten mit Geldschlitz. Viel Schmunzeln erregte Sabrine Madonnas „Galaxy Liebe". Sie schwärmte von den vielen Funktionen ihres stetigen Begleiters in der Hosentasche, obwohl dieser regelmäßige Updates braucht und auch schon mal abstürzen kann. Das ist wirklich wahre Liebe!

Die Achtklässler testeten die Bildung ihrer Zuhörer, denn es war bisweilen recht knifflig herauszufinden, welchen Klassiker sie parodierten. Amelie Palmer ließ ihr Dornröschen auf einen IT-Experten treffen, Maya Häfners „Obstsalat" war an „Der Mond ist aufgegangen" angelehnt, und Lea Lang und Lisa Deuscher forderten das Publikum gleich mit einem ganzen „Klassikermix" heraus, in dem der Herr von Ribbeck Schillers Handschuh suchte und es dabei plötzlich mit dem Zauberlehrling zu tun hatte. Christos Vassiliou musste sich auf der Bühne dreiteilen, weil er aus Goethes „Erlkönig" einen verbalen Wettstreit zwischen einem Matador, seinem roten Tuch und dem Stier machte - und sich dabei ganz schön verbiegen musste!

Zweite Halbzeit: Der Poetry Slam (Klasse 9-11)

Nach einer kurzen Pause, die Referendarin Alona Negrich mit kräftiger Jazzstimme am Klavier musikalisch untermalte, ging es auf der Bühne doch noch um mehr als die bloße Anerkennung des Publikums: Nun traten die Kombattanten um einen Platz für das regionale RmdS-Finale auf der Bühne des Tübinger Landestheaters an, ausgewählte Zuschauer bewerteten sie nach Punkten.

Felix Nanz und Tim Klett (Kl. 9) setzten dem stark steigenden Fußballfieber kräftig etwas mit ihrem Wort-Klick-Klack bei der Tischtennisweltmeisterschaft entgegen. Maresa Fees (Kl. 9) machte sich über das überzogene WM-Marketing der Nahrungsmittelbranche lustig und stellte fest: „Die Tomate ist rund und das Barbecue dauert neunzig Minuten." Mit einem beeindruckend poetischen Text in gereimter Sprache über zwei gegensätzliche geheimnisvolle Wesen, Cherubim und Seraphim, verzauberte Valeria Bardos (Kl. 10) das Publikum.

Friederike Haas (Kl. 9) stellte mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ihre große Leidenschaft, das Schreiben, vor und regte mit ihrer Anleitung zu Schlagfertigkeit und Selbstironie zum Nachmachen an: Traut euch was! Oder eben: Raus mit der Sprache! Noch mutiger war Simon Dehmer (Kl. 11), der an diesem Abend auch mit der Technik-AG zuverlässig hinter der Bühne zugange war. Dass er gerne mit seinen Aversionen gegen das Schulfach Deutsch kokettiert, ging aus seinem kommentierten Lesetagebuch zur Abipflichtlektüre „Agnes" von Peter Stamm deutlich hervor, zum hörbaren Vergnügen der anwesenden und ebenfalls lektüreleidgeprüften Deutschlehrer. Helge Thun musste in einer Nebenbemerkung sogar eine „kabarettistische Abrechnung mit dem ganzen Projekt" (RmdS!) verkraften.

In lakonischem Ton klärte Dennis Zekovic (Kl. 11) das Publikum darüber auf, wie heutzutage Hausaufgabenkreise funktionieren und in welche digitalen Abgründe man dabei geraten kann. Dennoch war das Endprodukt für den Lateinlehrer dank dem klasse Klassenchinesen ein ausgetüftelter Komik in Papierform. Sophie Banke (Kl. 11) machte aus dem Fahrplan der Londoner U-Bahn eine vierdimensionale Gedankenlandkarte, auf der die Schule ihren Platz gegen mehr und mehr Krisen aus dem echten Leben verteidigen muss. „Tolle, lege - nimm und lies!" empfiehlt abschließend Smilla Steinbrück, die auf der RmdS-Bühne endlich einen Ort gefunden hat, an dem sie ohne die Häme des verständnislosen kleinen Bruders und anderer Dilettanten über Latein schwärmen darf. „Ist Cäsar nicht geil?!"

Wer sich an diesem Montagabend trotz König Fußball noch die rhetorischen Dribblings und verbalen Torschüsse in der Aula zumutete, bekam eingangs ein starkes Versprechen in Form eines riesigen Regenbogens vor der Tür, das mit sehr unterschiedlichen, aber durchweg beeindruckenden Vorträgen der Schülerinnen und Schüler eingelöst wurde. Die eigentliche Überraschung folgte drei Tage später auf der Bühne des Tübinger Landestheaters: AEG-Sieger Simon Dehmer gewann auch das regionale Finale und wird Reutlingen beim deutschen U20-Slam im Herbst in Berlin vertreten. Wir gratulieren und wünschen alles Gute!

 

Weitere Bilder der Teilnehmer und Gastgeber können Sie in unserem Fotoalbum betrachten. Die Bilder wurden von R. Füsgen aufgenommen und zusammengestellt.

Von: J. Brauch



Schlagworte: Raus mit der Sprache
Kategorie: Tagebuch