Jizchak Katzenelson: "Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk"

14. Januar 2010

ank.jpg"Dos Lied vunem ojsgehargetn jidischn volk" ist das wohl bedeutendste Langgedicht über den Holocaust. Jizchak Katzenelson (1886-1944) schrieb das Poem, wohl den Tod vor Augen, im Sonder-KZ Vittel. Er stellte es im Januar 1944 fertig und schaffte es, das Manuskript (handschriftlich auf Zigarettenpapier, versteckt in drei Flaschen) unter einem Baum zu vergraben. Eine zusätzlich angefertigte Kopie gelang - eingenäht im Ledergriff eines Koffers - mit Hilfe einer Mitgefangenen nach Palästina.

"Die Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden ist schwer begreifbar und noch schwerer erfühlbar. Irgendwelche gemieteten Kretins können mit chemischen Analysen beweisen, dass es in Auschwitz gar keine Gaskammern gegeben habe, aber gegen diese große wahrhaftige Dichtung kommen alle diese Geschichtslügen nicht an."
"Erst wenn so furchtbare Wahrheiten vom Hirn auch ins Herz des Menschen wandern, hat er sie wirklich begriffen. Erst dann kann aus der Kenntnis menschenfeindlicher Fakten so etwas wie die humane Haltung werden..." -- (Wolf Biermann)

Wolf Biermann fand beide Fassungen 1992 nahe Haifa, und auf Bitten von Arno Lustiger, der sich um eine Dokumentensammlung über den Jüdischen Widerstand im Warschauer Ghetto bemühte, dichtete Biermann zunächst den Schlussgesang neu. Vom Text beeindruckt, übersetzte er in zweijähriger und höchst mühevoller Arbeit schließlich alle fünfzehn Gesänge dieses einzigartigen literarischen Werkes.

Denn, so Biermann, „ein Poem über das Grauen hält länger als grauenhafte Dokumente. Zumindest von den Gedichten, die man kennt, mag Katzenelsons Poem das allerschönste sein. Ja, ‚schön'! Denn gerade ein Gedicht über das Allerhässlichste ist nur zu ertragen, wenn es auch ein großes Kunstwerk ist ..."

Für den Holocaust-Gedenktag am 27.01.2010 werden Auszüge der Dichtung mit jiddischen Liedern zu einem aufrüttelnden Dokument der Mahnung verbunden.

Kacenelson.jpgEinladung

Die öffentliche Gedenkveranstaltung findet am 27.01.2010 um 19:30 in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums statt.

Mitwirkende:

Alexander Stein (Sprecher)
Reinhild Burk (Sopran)
Markus Hirsch (Klarinette)

 

Links: de.wikipedia.org/wiki/Jizchak_Katzenelson


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Kategorie: Tagebuch