Auf Heideggers Spuren

17. Januar 2010

messkirch_2010_01.JPGVorab besuchten die Schüler gemeinsam mit Herrn Voss und Frau Peterson das Heidegger-Museum und aßen im Martin-Heidegger-Gymnasium zu Mittag. Bei strahlendem Sonnenschein gingen alle den Feldweg ein Stück entlang und einzelne Schüler rezitierten Teile aus dem kleinen Text "Der Feldweg", um diesem Weg die Wichtigkeit zuzumessen, die er für die Philosophie Heideggers hatte.

Laut Heidegger befinden wir uns im Denken immer auf einem Weg, und es bedarf der Vorsicht und der Achtung des Einfachen und allzu Geheuren am Wegesrand, damit uns die Dinge wieder in eine Distanz rücken, so dass wir wieder zum Staunen fähig sind - staunen darüber, dass überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts. Und dass es ist, genauso, wie es ist.

messkirch_2010_03.JPGDie Seinsfrage, im Besonderen das Seinsgeschick des neuzeitlich-technischen "Gestells" und dessen Auswirkungen auf unser Verhältnis zu uns selbst und zu den Dingen thematisierte Dietmar Koch vom Philosophischen Seminar der Universität Tübingen dann am Nachmittag gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern im Schloss Meßkirch. Im Folgenden ein kleiner Ausschnitt aus dem "Feldweg", der die Denkwegerfahrung verdeutlicht:

"Er läuft aus dem Hofgartentor zum Ehnried. Die alten Linden des Schlossgartens schauen ihm über die Mauer nach, mag er um die Osterzeit hell zwischen den aufgehenden Saaten und erwachenden Wiesen leuchten oder um Weihnachten unter Schneewehen hinter dem nächsten Hügel verschwinden. Vom Feldkreuz her biegt er auf den Wald zu. An dessen Saum vorbei grüßt er eine hohe Eiche, unter der eine roh gezimmerte Bank steht. Darauf lag bisweilen die eine oder die andere Schrift der großen Denker, die eine junge Unbeholfenheit zu entziffern versuchte. Wenn die Rätsel einander drängten und kein Ausweg sich bot, half der Feldweg, denn er geleitet den Fuß auf wenigem Pfad still durch die Weite des kargen Landes. Immer wieder geht zuweilen das Denken in den gleichen Schriften oder bei eigenen Versuchen auf dem Pfad, den der Feldweg durch die Flur zieht. Dieser bleibt dem Schritt des Denkenden so nahe wie dem Schritt des Landmannes, der in der Morgenfrühe zum Mähen geht.[...]" (aus M. Heidegger, Der Feldweg)

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Kategorie: Tagebuch