Osianders Marketing

osiander_fuehrung_literaturkurs_2015_03.jpgJedes gewinnorientierte Unternehmen braucht eine ausgeklügelte Marketingstrategie, um erfolgreich zu sein. Dafür muss man natürlich wissen, wie der Buchmarkt funktioniert. Deshalb gab uns Herr Riethmüller einen Schnellkurs in Betriebswirtschaftslehre. Ein wichtiger Bestandteil des Marktes sind die Kunden. Sie erwarten in einem Buchladen vor allem eine angenehme Atmosphäre, freundlichen Service, gute Qualität, eine große, gut sortierte Auswahl und natürlich günstige Preise.

Die gute Atmosphäre versucht Osiander durch fachmännisch eingerichtete Filialen herzustellen. Das heißt, dass die Ausstattung der Läden gemeinsam von einem Innenarchitekten und den Buchhändlern vor Ort geplant und umgesetzt wird. Neben der sinnvollen Präsentation von Büchern in Regalen und Auslagen gehört auch eine anregende, aber nicht überladene Dekoration.

osiander_fuehrung_literaturkurs_2015_04.jpgDer Preis eines Buches ist in Deutschland eigentlich über die sogenannte Buchpreisbindung unveränderlich. Aber Osiander hat trotzdem eine Möglichkeit, den Kunden bei den Preisen entgegenzukommen: Ältere Bücher aus Restposten und Mängelexemplare dürfen billiger verkauft werden. So kann man in den verschiedenen Osiander-Filialen immer wieder meterlang auf Tischen aufgereihte Kisten nach Fundstücken durchwühlen. Für Bücherfreunde, die genügend Zeit mitbringen, ein richtiges Vergnügen!

Den eigenen Ansprüchen im Service wird Osiander gerecht durch freundliche und engagierte Mitarbeiter, eine schnelle und kostenlose Lieferung bestellter Bücher und einen möglichst persönlichen Kundenservice. Dabei ist sich Herr Riethmüller natürlich darüber bewusst, dass die Angestellten einer großen Filiale ihre Kunden niemals so genau kennen können wie der kleine Buchhändler um die Ecke, der seinen Kundenstamm persönlich betreut. Das ist ein Vorteil der kleinen Buchläden. Auch so eine Einsicht gehört zum Marketing. Das sieht Herr Riethmüller ganz entspannt.

Kunden möchten heute auch mit einem guten Gewissen einkaufen. Das erreicht Osiander, indem Bücher zumindest in einigen Städten wie Reutlingen, Tübingen oder Heilbronn umweltfreundlich mit per Fahrradkurier verschickt werden. Dazu gehört aber auch der gute Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, mit dem Osiander nicht nur sein Image, sondern auch eine über viele Jahre gewachsene Kultur eines Familienunternehmens aufrechterhält. Die Grundlagen dafür stehen in den „OsianderLeitlinien“ und im „OsianderKnigge“ festgeschrieben, die für alle Mitarbeiter verbindlich sind.

Dabei spürt Osiander natürlich die Konkurrenz des Onlineversandhändlers Amazon. Aber Herr Riethmüller sieht den Giganten nicht unbedingt als Bedrohung. Von Amazon könne man auch lernen, meint er. Auf diese Art entstand zum Beispiel der kostenfreie Onlineversand bei Osiander. Auch Hugendubel und Thalia stehen in einem harten Konkurrenzkampf mit Osiander. So hat Thalia in der Vergangenheit bereits versucht, Osiander aufzukaufen und gedroht, eine große Filiale neben dem Reutlinger Osiander zu eröffnen. (Die gab es eine ganze Weile. Inzwischen nicht mehr …)

Mit dem Erscheinen des E-Readers musste Osiander mit seinen Konkurrenten gleichziehen und bietet deshalb seit 2009 auch E-Books an. Jedoch bleibe das „Holzbuch“, wie Herr Riethmüller das analoge Buch liebevoll nennt, weiter das wahre Buch. Denn der E-Reader sei zwar praktisch zum Mitnehmen, da er leicht sei und mehrere Bücher gleichzeitig zur Lektüre anbiete. Aber das Gefühl, ein richtiges Buch in der Hand zu halten, dessen Seiten man anfassen und riechen kann und in dem man vor- und zurückblättern kann, das könne einem kein E-Reader bieten. Und das sei doch schöner, als ein Stück Plastik in der Hand zu halten.

Hinweis: Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Hrn. Hermann-Arndt Riethmüller.